Stay positive – Die Kunst, in herausfordernden Zeiten optimistisch zu bleiben

Die Ereignisse der jüngsten Zeit verlangen uns allen viel ab. Ein Virus, das unsere körperliche Gesundheit und die Gesundheit unserer Liebsten bedroht; ein weiterer Lockdown, der unseren Alltag verändert; ein Terroranschlag, der uns zutiefst erschüttert und unser Sicherheitsgefühl empfindlich in Frage stellt. Es ist unbestritten eine herausfordernde Phase, in der wir uns gerade befinden. Und sie betrifft uns alle – egal, an welchem Ort, unter welchen Umständen und in welchem Lebensabschnitt wir sie erleben.

Über das Thema unseres aktuellen Blog-Artikel haben wir uns daher besonders viele Gedanken gemacht. Bei der Vielzahl an Dingen, die uns alle im Moment beschäftigen, war es nicht einfach, uns für eines zu entscheiden. Schlussendlich ist unsere Wahl auf ein Thema gefallen, zu dem aktuell eine Vielzahl an Informationen und Beiträgen verfügbar sind – von dem es aber, wie wir meinen, gar nicht genug geben kann! Deshalb gibt es von an dieser Stelle einen Artikel zum Thema positive Psychologie – und wie wir es in herausfordernden Zeiten schaffen, uns von der negativen Abwärtsspirale fernzuhalten.

Was positive Psychologie ist – und was sie nicht ist…

Die positive Psychologie ist ein Forschungs- und Arbeitsbereich der akademischen Psychologie. Zugleich bietet sie uns auch ein wertvolles Instrumentarium für die Alltagspraxis. Sie ist stärken- und ressourcenorientiert; das heißt, sie befasst sich mit jenen Dingen, die wir gut können, die uns besonders liegen und die uns Freude bereiten.

Positive Psychologie – bloß eine Anleitung zum Dauergrinsen?

Die positive Psychologie wird leider oft als Trend verkannt, immer und überall nur fröhlich und optimistisch zu sein – zu Unrecht! Es geht nicht etwa um ein Dauergrinsen oder darum, dass wir nie mehr schlecht gelaunt sein dürfen. Positive Psychologie soll keinen Druck erzeugen; sie soll uns nicht den Eindruck vermitteln, dass jeder Tag ausnahmslos und durchgehend schön sein muss. Ziel hingegen ist es, unseren den Blick dafür zu öffnen, dass auch an jedem schlechten Tag etwas Gutes ist! Dafür sensibilisiert die positive Psychologie; sie gibt uns wertvolle Tipps und Methoden mit auf den Weg, um unseren Blick auf das Positive zu lenken.

„Ich kann es nicht mehr hören…“

Gerade in herausfordernden Zeiten ist ein solcher Fokus auf die schönen, positiven und stärkenden Dinge ganz besonders wichtig. Bei einigen von uns stößt das allerdings im ersten Moment auf Widerstand; wir denken dann Dinge wie „Ich kann es nicht mehr hören! Immer soll ich positiv denken und optimistisch bleiben. Als ob davon alles besser würde!“ oder auch „Ich kann nicht immer nur positiv denken – stimmt vielleicht etwas mit mir nicht?“ Auch bei diesen verständlichen Reaktionen ist es sinnvoll, an den Ausgangspunkt der positiven Psychologie zurückzukehren. Es geht nicht darum, immer positiv zu sein und niemals negative Gefühle zu verspüren. Es geht auch nicht darum, Negatives zu leugnen. Oder unter Druck etwas zu leisten – und sich am Ende vielleicht sogar unzulänglich zu fühlen, wenn das nicht gelingt.

Viel mehr geht es darum, eine Negativspirale zu vermeiden. Diese entzieht sich nämlich irgendwann gefühlt unserer Kontrolle und zieht uns immer weiter hinunter. Es geht darum, uns auch im Negativen die Möglichkeit zu bewahren, etwas Positives wahrzunehmen, zu fühlen oder zu entdecken. Dabei ist es oft schon ausreichend, an einem schlechten Tag daran zu denken, dass morgen alles anders sein kann!

Den Blick für das Positive bewahren

Doch wie gelingt uns das – positiv bleiben in Zeiten von Pandemien, Terroranschlägen etc.? Wir haben nachfolgend einige Tipps zusammengestellt, die uns dabei helfen, das „positive Auge“ zu schulen und uns ganz bewusst der Negativspirale zu entziehen.

5 Tipps für positives Denken, Fühlen und Handeln

Medienhygiene betreiben

Studien haben gezeigt, dass sich der zum Teil exzessive Konsum von Nachrichten über diverse Medien negativ auf die Psyche auswirkt. Die Journalistin und Neurowissenschaftlerin Maren Urner sagt dazu: „In Zeiten von Mammuts und Säbelzahntigern war es wichtig, dass uns keine schlechte Nachricht entgeht, weil sie den Tod bedeuten konnte. Jetzt sind wir dem „digitalen Säbelzahntiger“ aber im Minutentakt ausgeliefert, weil der Online-Journalismus und die ständige Informationsflut diese Vorliebe fürs Negative in die Perversion getrieben hat. Das sorgt dafür, dass unser Gehirn und unser ganzer Körper sich nicht mehr erholen kann und in einen chronischen, krankmachenden Stresszustand versetzt wird.“ (Nachzulesen hier.) Es ist daher sinnvoll, unseren Nachrichtenkonsum bewusst einzuschränken und zuverlässige Quellen zu bevorzugen.

Selbstfürsorge intensivieren

Dinge, die im Alltag wichtig sind, bekommen in herausfordernden Zeiten einen umso höheren Stellenwert: ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und die Pflege sozialer Kontakte. Spaziergänge an der frischen Luft sind optimal, um den Körper zu lockern und den Kopf freizumachen. Sie bieten auch die Möglichkeit, Familie und Freund*innen zu treffen; so lassen sich Bewegung und ein soziales Miteinander ideal kombinieren. Ein anderer Weg, um möglichst nahe in Kontakt zu bleiben, ohne sich persönlich zu treffen, führt über Videocalls bzw. -konferenzen. Dafür gibt es heutzutage eine große Menge an verschiedenen Tools, eine Übersicht ist beispielsweise hier zu finden. Sie bieten die Möglichkeit, sich trotz Distanz zum Kaffee oder sogar zu einem virtuellen Essen zu treffen. Hier sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt! Auch beim Essen gilt übrigens: Der Speiseplan sollte gesund und ausgewogen sein, aber auch Platz für das so genannte Soul Food lassen – also Essen, das einfach glücklich macht.

Über Ängste und Sorgen sprechen – aber nicht nur!

Unsere Gedanken mit anderen zu teilen ist wichtig für unsere psychische Gesundheit. Das schafft Erleichterung und ein Gefühl von Gemeinschaft und Verstandensein. Wenn wir hören, dass es anderen ähnlich geht, fühlen wir uns weniger allein. Dabei gilt es darauf zu achten, dass wir uns nicht in Gesprächen über Ängste und Sorgen verlieren. Hilfreich ist es, positiven Dingen bewusst einen Platz einzuräumen und so für ein Gleichgewicht zu sorgen. Wir können mit anderen beispielsweise über die Zukunft sprechen und uns dabei auf die positiven Dinge fokussieren. Das bildet eine gemeinsame Vision, die uns stärkt und motiviert!

Ein Dankbarkeits-Tagebuch führen

Diese Methode ist sehr wirksam und dabei nur mit geringem Aufwand verbunden. Am Ende eines jeden Tages notieren wir drei Dinge, die schön waren, für die wir dankbar sind, die uns etwas gelehrt oder die uns schlichtweg zum Lachen gebracht haben. Vielleicht fällt uns das zu Beginn schwer. Dann ist es ratsam, mit nur einer Notiz täglich zu beginnen und uns erst im Laufe der Zeit zu steigern. Wichtig an dieser Übung ist es, sie regelmäßig durchzuführen, damit sie ihre Wirkung zeigt. Fehlt es uns dazu an Motivation oder Konsequenz, können wir uns Unterstützung holen. Beispielsweise ist es oft sinnvoll, Familie oder Freund*innen einzuweihen. In einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe können wir einander dann von den schönen Dingen des Tages erzählen.

Lächeln

Eine berühmte Studie aus den 1980ern zeigte, dass wir uns glücklicher fühlen, wenn wir Lächeln. Selbst dann, wenn wir das Lächeln nur vortäuschen! Wir können uns so zwar nicht aus einer Krise lächeln; dennoch lohnt sich ein aufmerksamer Blick auf unsere Mimik und unsere Körperhaltung. Diese haben einen deutlichen Einfluss auf unser Empfinden und unsere Selbstwahrnehmung. Sitzen wir z.B. zusammengesunken in einem Sessel, fühlen wir uns automatisch eher klein; richten wir uns hingegen auf, nehmen wir uns selbst als größer und stärker wahr. Ähnlich verhält es sich mit dem Lächeln. Aktivieren wir unsere Gesichtsmuskeln und bemühen uns um einen freundlichen Ausdruck, fühlen wir uns besser.

Noch Fragen? Lassen Sie sich von uns beraten – persönlich oder online!

Lesetipps & Quellen:

Journalistin und Neurowissenschaftlerin Maren Urner über Medienkonsum: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/medienkonsum-lesen-wir-zu-viele-schlechte-nachrichten-16247973.html

Studie zur Facial-Feedback-Hypothese
Strack, F, Martin, L. L & Stepper, S. (1988). Inhibiting and Facilitating Conditions of the Human Smile: A Nonobtrusive Test of the Facial Feedback Hypothesis. Journal of Personality an Social Psychology, 54, 768-777.

Aktueller Artikel zur Facial-Feedback-Hypothese
https://www.psychologie-heute.de/leben/39982-laecheln-macht-doch-froehlich.html

Positive Psychology Center der University of Pennsylvania
https://ppc.sas.upenn.edu/

Übersicht kostenloser Online-Tools für Videokonferenzen
https://www.pc-magazin.de/vergleich/videokonferenz-tools-kostenlos-3201411.html