Liebe ist… eine Paartherapie?

Das Leben ist eine Reise – eine Reise durch Sonnenschein und Regen, durch Stürme und Gewitter. Manchmal scheint es uns Steine in den Weg zu legen und nur wir selbst können entscheiden, ob wir daraus Mauern oder Brücken bauen wollen. Entscheiden wir uns nun für eine Paarbeziehung, erhält alles noch mal eine neue Dimension: Plötzlich reisen wir zu zweit, wir teilen Sonnenschein und Regen, teilen Freude und Leid. Und manchmal, wenn wir ganz erschöpft sind, trägt uns der/die andere ein Stück. Das klingt selbstverständlich wunderbar – und das ist es auch! Es bringt jedoch auch eine Handvoll neuer Herausforderungen mit sich, die es miteinander zu bewältigen gilt. Dabei kann eine Paartherapie unterstützen.

Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um ein Individuum und seine Bedürfnisse, sondern um drei Identitäten, die unter einen Hut gebracht werden möchten: die von zwei Partner*innen und die der gemeinsamen Beziehung. Und während die Partner*innen in der Regel sowohl den Wunsch verspüren, sich einander anzunähern, als auch ihre eigene Identität zu bewahren, spiegelt die Beziehungsidentität die Schnittmenge der gemeinsamen Bedürfnisse und geschlossenen Kompromisse wider.

Beziehung – Wer macht die Spielregeln?

An diesem Punkt ist es uns in der Arbeit mit Paaren stets wichtig festzuhalten: Eine Beziehung ist nichts fest Definiertes, es gibt kein Gesetz und auch kein Handbuch, in dem stünde, wie eine Beziehung zu funktionieren hat oder wann sie als gut oder schlecht einzustufen ist. (Obwohl in verschiedenen Fachrichtungen der Paartherapie immer wieder ein solcher Versuch stattgefunden hat.) Beziehung ist ein Miteinander, für das sich zwei Menschen bewusst entscheiden und dessen Rahmenbedingungen, Inhalte und Spielregeln sie selbst festlegen.

Die Frage, die sich an diesem Punkt jedoch stellt, ist: Definieren wir unsere Beziehungsspielregeln bewusst? Welche Rolle spielen unsere bisherigen Beziehungserfahrungen – und hierbei ganz besonders die prägenden Beziehungserfahrungen aus der Herkunftsfamilie? Und welche Muster, welche erlernten Strategien und Glaubenssätze vermischen sich dabei vielleicht mit den tiefsten, ureigenen Bedürfnissen? Hier kommen auch unsere verschiedenen Bindungsstile ins Spiel, also die spezielle Beziehung, die wir in frühester Kindheit zu unseren wichtigsten Bezugspersonen entwickelt haben und die Verhaltensweisen, die daraus entstanden sind. (Mehr dazu in Kürze in unserem Artikel zum Thema: Back to the roots – Bindungsstile und Bindungsverhalten)

Paartherapie in allen Wetterlagen

In der Paartherapie geht es in erster Linie um gemeinsames Wachstum. Denn Beziehung ist ein Ort des Wachstums, ein Ort der Identitätsbildung. Sowohl die beiden Partner*innen als auch die Beziehung selbst entwickeln sich stetig weiter, verändern und wandeln sich und stehen dabei in Wechselwirkung. Wir können es uns vorstellen wie Zahnräder, die ineinandergreifen: Verändert sich ein Individuum, wirkt es sich auf den Partner/die Partnerin und die gemeinsame Beziehung aus; verändert sich die Beziehung, wirkt es sich auf die Partner*innen aus. Insofern können wir eine Beziehungskrise als Wachstumskrise verstehen, also eine Veränderung. Und diese findet ja bekanntlich außerhalb unserer Komfortzone statt. Bleiben wir bei unserem Vergleich aus der Mechanik, könnten wir auch sagen: Es ruckelt immer ein bisschen, wenn das Leben in den nächsten Gang schaltet.

Wie bei jeder anderen Form der Beratung und Therapie empfehlen wir auch Paaren, im Rahmen einer Paartherapie in guten Zeiten jene Rituale, Kommunikations- und Verhaltensweisen zu festigen, die auf lange Sicht helfen Krisen vorzubeugen. Eine Paartherapie ist geeignet, um in akuten Krisen dem in Seenot geratenen Schiff den Weg in den nächsten sicheren Hafen zu weisen. Bestenfalls wird sie jedoch bereits in Anspruch genommen, wenn in weiter Entfernung am Horizont die ersten Wolken aufziehen. So lassen sich die meisten Tiefdruckgebiete von vornherein umfahren und was bleibt, ist von Zeit zu Zeit ein kurzer, erfrischender Sommerregen.

Wann kann eine Paarberatung, -therapie oder -mediation helfen?
Wenn Sie sich in einer oder mehreren der folgenden Aussagen wiederfinden:

  • Ich fühle mich von meinem Partner/meiner Partnerin nicht wahrgenommen.
  • Zwischen meinem Partner/meiner Partnerin und mir kommt es häufig zu Missverständnissen, da wir scheinbar aneinander vorbeireden. Ich möchten verstehen, wie es dazu kommt, und unsere Kommunikation verbessern.
  • Mein Partner/meine Partnerin und ich streiten uns immer wieder auf dieselbe Art und Weise. Ich wünsche mir, dass wir neue und konstruktive Lösungswege für unsere Konflikte finden.
  • Ich bin mir meiner Gefühle nicht mehr sicher und weiß nicht, ob ich die Beziehung fortführen möchte.
  • In meiner Beziehung fehlt mir die sexuelle Erfüllung.
  • Bei uns steht eine Trennung/Scheidung im Raum. Wir möchten dieses Szenario in neutraler Atmosphäre besprechen und eine Einigung finden.
  • Ich habe das Gefühl, dass ich den Erwartungen meines Partners/meiner Partnerin nicht entsprechen kann oder will.
  • Mein Partner/meine Partnerin hat mich verletzt bzw. ich habe meinen Partner/meine Partnerin verletzt. Diese Situationen belastet unsere Beziehung.
  • Ich fühle mich in meiner Beziehung unglücklich, weiß aber nicht so recht, warum.
  • Es fällt mir schwer, meinem Partner/meiner Partnerin zu vertrauen. Ich möchte mich gerne mehr fallenlassen und ihm/ihr körperliche oder emotionale Zuneigung zeigen können.
  • Die Fronten zwischen meinem Partner/meiner Partnerin und mir sind verhärtet. Für unseren Konflikt wünsche ich mir eine Lösung, die eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten mit sich bringt.
  • Im Falle einer Trennung/Scheidung möchten wir uns möglichst außergerichtlich einigen, wenn es um das elterliche Sorgerecht, Besuchsregelungen und/oder Unterhaltsfragen geht.
  • Auch nach Beilegung des Konfliktes werde ich mit meinem (Ex-)Partner/meiner (Ex-)Partnerin in Kontakt stehen und wünsche mir dafür eine gute Basis. Ein friedliches Miteinander und ein neuer, konstruktiver Weg der Konfliktbewältigung liegen mir am Herzen.
  • Ich wünsche mir, dass meine Sichtweise Gehör findet. An der Lösung unseres Konfliktes möchte ich mich aktiv beteiligen.

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